Zwei Wege, ein Ziel: der Prozess läuft weiter

Normalbetrieb

Der Prozess nutzt den KI-Dienst

Ausfall

Beschriebener und geübter Rückfallbetrieb ohne KI

Ergebnis

Der Prozess läuft weiter, innerhalb der tolerierbaren Ausfallzeit

Schema zur Veranschaulichung, nicht maßstäblich.

In vielen Unternehmen ist KI in kurzer Zeit vom Experiment zum Arbeitsmittel geworden. Angebote werden mit ihr vorbereitet, Störungen mit ihr analysiert, Dokumente mit ihr zusammengefasst. In den Notfallplänen taucht sie meist noch nicht auf. Dort stehen Rechenzentrum, Netzwerk und ERP, aber nicht der KI-Dienst, von dem inzwischen ein halber Prozess abhängt.

Neue Abhängigkeiten, alte Frage

Betriebskontinuität beginnt mit einer einfachen Frage: Welche Prozesse sind kritisch, und wovon hängen sie ab? Bei KI kommen Abhängigkeiten hinzu, die leicht übersehen werden:

  • Der Dienst selbst. Ein Cloud-Modell kann ausfallen, gedrosselt werden oder für einige Stunden nicht erreichbar sein.
  • Das Modell. Anbieter stellen ältere Modelle ein und ersetzen sie durch neue. Was gestern funktioniert hat, verhält sich nach dem Wechsel anders.
  • Die Daten. Fällt die Datenquelle aus, die ein Modell speist, liefert es keine oder falsche Ergebnisse.
  • Das Wissen. Wenn eine Aufgabe nur noch mit KI erledigt wird, verlernt die Mannschaft, wie es ohne geht.

Die Auswirkungsanalyse um KI ergänzen

Der Weg ist derselbe wie bei jeder anderen Abhängigkeit. In der Auswirkungsanalyse wird für jeden kritischen Prozess geprüft, welche KI-Dienste er nutzt und was passiert, wenn sie fehlen. Daraus ergibt sich die Frage, die die Geschäftsleitung beantworten muss: Wie lange darf der Prozess ohne die KI auskommen, bevor der Schaden nicht mehr tragbar ist?

Die Antwort entscheidet über den Aufwand. Ein Assistent, der Texte vorformuliert, kann einen Tag fehlen. Eine KI, die in der Qualitätsprüfung Teile aussortiert, vielleicht keine Stunde.

Rückfallbetrieb ohne KI

Für jede kritische KI-Anwendung braucht es einen beschriebenen Weg ohne sie. Das kann die frühere manuelle Prüfung sein, ein einfacheres regelbasiertes Verfahren oder ein zweiter Anbieter. Entscheidend ist, dass dieser Weg bekannt, dokumentiert und gelegentlich geübt ist. Ein Rückfallbetrieb, den niemand mehr beherrscht, existiert nur auf dem Papier.

KI-Management und Betriebskontinuität gehören zusammen

Ein KI-Managementsystem nach ISO/IEC 42001 erfasst, welche KI das Unternehmen einsetzt und wer dafür verantwortlich ist. Ein Managementsystem für Betriebskontinuität fragt, was passiert, wenn etwas ausfällt. Wer beides verbindet, hat ein vollständiges Bild: Er weiß, welche KI es gibt, wie wichtig sie ist und was zu tun ist, wenn sie fehlt.

Was daraus folgt

  1. KI-Dienste als Abhängigkeit erfassen, in der Auswirkungsanalyse wie jedes andere System.
  2. Für kritische Prozesse festlegen, wie lange sie ohne KI auskommen.
  3. Einen Rückfallbetrieb beschreiben und üben.
  4. Modellwechsel beim Anbieter vertraglich und organisatorisch abfangen.

Je selbstverständlicher KI wird, desto wichtiger ist die Antwort auf die Frage, wie es ohne sie weitergeht.

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